Rubensfrauen
Selbst wer kein großer Anhänger der Malerei und der Kunst ist, kann doch meist intuitiv beschreiben, wie eine Rubensfrau gebaut ist. Kunstkenner hingegen wissen genau, dass der deutsch-belgische Maler mit Vorliebe Menschen und vor allem Frauen beim Genießen ihres Lebens und ihrer Leidenschaften in prächtigen Farben gemalt hat. Ein Musterbeispiel dafür ist sein berühmtes Gemälde “Der Liebesgarten”, der eine Liebesszene mit zwei Edelmännern und einem Dutzend prachtvoll gekleideter und auch sonst üppig ausgestatteter Damen zeigt. Beinahe alle weiblichen Motive in der Kunst Rubens machen eine wohlgenährten Eindruck und verhüllen ihre prallen Rundungen nur knapp. Die Damen genießen ihr Leben und stellen ihre wohlgeformte Leibesfülle keineswegs in den Schatten. Die Moden waren im späten 16. Jahrhundert, zumal in Belgien, offensichtlich anders ausgerichtet als heutzutage. Auffällig ist, dass die männlichen Motive auf diesen Gemälden meist in der Minderzahl sind und einen nicht zu übersehenden scharfen Blick auf die auffälligen Körperausstattungen ihrer Begleiterinnen werfen.
Heute sind Rubensfrauen im Straßenbild eine Seltenheit. Die Modeindustrie verlangt lange und schlanke Damen. Die leidenschaftlichen Gefühle vieler Männer zu Frauen, die dem Ideal des 16. Jahrhundert entsprechen, ist jedoch nach wie vor vorhanden. Und selbstverständlich gibt es auch heute noch Frauen, die stolz auf ihre Rundungen sind und diese hegen und pflegen. Eine angenehme Leibesfülle ist immer noch ein Synonym für Leidenschaft, Genuss, Zufriedenheit und Glück. Ein Mann, der eine Partnerin sucht, die eines Motivs für den belgischen Maler würdig wäre, findet im Internet sogar spezielle Kontaktportale, in denen er mit großer Wahrscheinlichkeit die Rubensfrau seines Lebens finden wird.